3.3.3 Mindestauslastung von Servern

Die im Rechenzentrum eingesetzten Server müssen im Durchschnitt über einen Zeitraum von 12 Monaten eine mittlere CPU-Auslastung von mindestens 20 Prozent erreichen.

  • ITEUSV ≥ 20%

Der Wert IT Equipment Utilization for Servers (ITEUSV) muss gemäß der Norm ISO/IEC 30134-5 (Information technology – Data centres – Key performance indicators – Part 5: IT Equipment Utilization for servers (ITEUsv)) oder gleichwertig bestimmt werden.

  • ITEUSV(t): mittlere Auslastung aller Server in einem RZ zum Zeitpunkt t
  • N: Anzahl der Server in einem RZ oder in einer Gruppe, die zum Zeitpunkt t eingesetzt wird
  • CUSi(t): CPU-Auslastungsgrad des Servers i zum Zeitpunkt t in Prozent

Hinweis: Diese Kennzahl lässt sich bei geringer Auslastung des Rechenzentrums insbesondere dadurch erreichen, indem N verringert wird. Dies geschieht, wenn Last konsolidiert wird und Server abgeschaltet bzw. in einen energiesparenden Sleep-Modus versetzt werden.

Ausnahme: Von der Erfassung des ITEUSV-Wertes über einen Messzeitraum von zwölf Monaten sind Rechenzentren ausgenommen, deren Inbetriebnahme bei Antragstellung weniger als 15 Monate zurückliegt. Diese neuen Rechenzentren können den ITEUSV auch ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme messen. Der Messzeitraum muss dabei mindestens 1 ganzen Monat betragen.

Nachweis:

Der Antragsteller erklärt die Einhaltung der Anforderung in Anlage 1 zum Vertrag und dokumentiert die mittlere CPU-Auslastung der Server ITEUSV im Energieeffizienzbericht.
Wird von der Ausnahme bei Antragstellung Gebrauch gemacht, so muss der Antragsteller spätestens 15 Monate nach Inbetriebnahme des Rechenzentrums die Messwerte zur Ermittlung des ITEUSV für einen Bilanzzeitraum von zwölf Monaten entsprechend den oben genannten Messregeln ergänzend vorlegen.


Alte Version (Stand: Mai 2022)

Die im Rechenzentrum eingesetzten Server müssen im Durchschnitt über einen Zeitraum von 12 Monaten eine mittlere CPU-Auslastung von mindestens 20 Prozent erreichen.

ITEUSV ≥ 20%

Der Wert IT Equipment Utilization for Servers (ITEUSV) muss gemäß der Norm ISO 30134-5 (Information technology – Data centres – Key performance indicators — Part 5: IT Equipment Utilization for servers (ITEUsv) oder gleichwertig bestimmt werden.

  • ITEUSV(t): mittlere Auslastung aller Server in einem RZ zum Zeitpunkt t
    • N:  Anzahl der Server in einem RZ oder in einer Gruppe, die zum Zeitpunkt t eingesetzt wird
    • CUSi(t): CPU-Auslastungsgrad des Servers i zum Zeitpunkt t in Prozent

4 thoughts on “3.3.3 Mindestauslastung von Servern

  1. Die Vorgabe zur Serverauslastung > 20 % kann bewirken, dass Server unnötig belastet werden, um die höhere Auslastung darzustellen. Bei Cloud-RZ hat der Betreiber keine Möglichkeit, vorherzusehen, in welchem Umfang die Leistungen genutzt werden.

    • Laut Norm: N ist die Anzahl der zum Zeitpunkt t aktiven Server. Virtualisierung und Deep-Idle wirken sich also positiv auf diese Kennzahl aus.

  2. Das Umweltzeichen „Energieeffizienter Rechenzentrumsbetrieb“ für klassische Rechenzentren stellt Anforderungen an die Auslastung der IT-Betriebsmittel (Serverauslastung > 20 %). Diese Forderungen können bewirken, dass Server bewusst mit für den Betrieb unnötigen Anwendungen belastet werden, um eine höhere Auslastung darzustellen. Die Auslastung der IT auf diesem Wege zu kontrollieren, sieht der Bitkom als kontraproduktiv an und empfiehlt daher, die Zertifizierung eines plausiblen und nachhaltigen IT-Konzeptes, welches als Grundlage für den Betrieb eines Rechenzentrums dient. Damit wird die Gefahr minimiert, dass IT-Systeme überdimensioniert ausgelegt werden.

    Bei Cloud-Rechenzentren stellt der Betreiber sowohl die IT-Systeme als auch die versorgende Infrastruktur externen Kunden zur Verfügung. Die Kunden nutzen die angebotenen Leistungen flexibel z. B. zur Überbrückung von Engpässen, Umzügen oder Ausfällen der eigenen IT in einem gebuchten Rahmen. Daher hat der Betreiber auch hier keine Möglichkeit, vorherzusehen, in welchem genauen Umfang der Kunde diese Leistungen in Anspruch nehmen wird.

    Beispiele
    Rechenzentren, welche IT-/Cloud-Dienstleistungen am Markt anbieten, unterliegen oftmals besonderen Zwängen, insbesondere was die Kostenstruktur betrifft. Die Geschäftsmodelle sind daher bezüglich Beschaffung (Strom, IT-Hardware, IT-Software, Netzanbindung) und Betrieb (Vorhaltung von Ressourcen, um schnell auf Bedarfe reagieren zu können) sehr flexibel ausgerichtet. Das führt dazu, dass eine Cloud-Dienstleistung aus einem Zusammenspiel von vielen Sublieferanten des eigentlichen Cloud-Providers besteht.

    Ein potenzieller Zeichennehmer steht daher vor der Herausforderung, KPIs sicherzustellen, zu überwachen und korrigieren zu können, die er nicht oder nur teilweise steuern kann.

    Zur Verdeutlichung und Begründung sollen folgende Beispiele stehen:

    Beispiel 1: Ein Forschungsinstitut bucht für wenige Wochen bei einem Cloud-Provider IT-Systeme (Server, Speicher etc.), deren Plattformmanagement allerdings durch einen Dritten (z. B. ein Softwarehersteller) verantwortet wird. Die Nutzung bzw. Auslastung der IT-Systeme ist abhängig vom jeweiligen Projektverlauf und kann durch den Cloud-Provider weder vorher bestimmt noch im laufenden Prozess beeinflusst werden.

    Beispiel 2: Ein IT-Dienstleister bucht bei einem Cloud-Provider IT-Systeme als transparente Private Cloud an, veredelt diese durch eigene Zusatzleistungen und bietet sie seinen eigenen Endkunden in mehreren Servicestufen an. Die Nutzung bzw. Auslastung der Private Cloud ist abhängig vom Geschäftserfolg des Dienstleisters und kann durch den Cloud-Provider weder vorher bestimmt noch beeinflusst werden.

    Beispiel 3: Ein Kunde bezieht die kompletten IT-Leistungen (IT-Systeme, versorgende Infrastruktur, Plattformmanagement, Anwendungen etc.) bei einem Colocation- und Cloud-Provider. Die Netzanbindung (Internet) wird jedoch durch einen Dritten realisiert und betrieben. Parameter dieser Dienstleistung sind dem Colocation-/Cloud-Provider nicht bekannt und können daher entsprechend dem Blauen Engel nicht gemeldet werden.

    Gerne verweisen wir noch einmal auf das Bitkom Positionspapier „Blauer Engel für Rechenzentren und für Colocation-Rechenzentren“, welches noch detaillierter auf die fraglichen Kriterien des Blauen Engels eingeht, begründet weshalb diese nicht praxis-tauglich sind und Empfehlungen zur praxistauglichen Ausgestaltung gibt: https://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Blauer%20Engel%20f%C3%BCr%20Rechenzentren%20und%20f%C3%BCr%20Colocation-Rechenzentren

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